Den Botschaften der Natur lauschen

Den Botschaften der Natur lauschen

Dem Gras beim Wachsen zuhören

Die Zeit des Wachstums ist gekommen. Viele Blüten gehen jetzt auf. Krokusse, Forsythien, Tulpen und Narzissen. Die Sonne kann schon richtig heiß werden und bald schlagen die Bäume aus. Hast Du auch das Gefühl, dass die Vegetation bald explosionsartig ins Wachstum gehen wird? Und hast Du heute schon dem Gras beim Wachsen zugehört? Oder den Tauben beim Gurren und den Bäumen beim Rauschen?
Alle sind zurzeit hungrig nach Sonnenlicht und Wärme. Und natürlich zieht es uns nach draußen. Es kehrt mehr Leichtigkeit ein und die Sonne hellt die Gemüter auf. Fällt es Dir auch auf, dass die Menschen bei Sonnenschein gleich viel besser gelaunt und freundlicher sind? Ok, ich gebe zu: Es ist eine Binsenweisheit, dass Sonne gut gelaunt macht.

Die Natur hat viele positive Auswirkungen auf uns. Weil wir Natur sind. Entstanden in einer Koevolution mit dem Pflanzen- und dem Tierreich. Nicht umsonst bezeichnen viele Stämme Nordamerikas die Bäume und Tiere als ihre Geschwister. Es macht eben doch etwas mit uns, ob wir Vögel zwitschern hören oder nicht. Oder ob wir von Grün umgeben sind oder nicht.

Wie würde es Dir gehen in einer Welt von Beton, Stahl und Glas? Ohne Gewässer, Bäume und Pflanzen. Und ohne Tiere?

Ja, genau! Mir auch! Richtig mies!

Die Welt der Käfer im Gras

Als Kind bin ich sehr gerne barfuß über die Wiesen gelaufen. Das Gras kitzelte so schön an den Beinen. Ganz oft habe ich mich einfach in eine Wiese gelegt, mitten rein. Am liebsten in eine, mit hoch stehenden Gräsern, so dass ich darin verschwinden konnte. Auch in der Hoffnung, dass der Bauer nicht vorbei kommt und mich verscheucht. Ich habe in den Himmel geschaut und auf die Erde unter mir gelauscht, habe die Insekten beobachtet und die Gerüche aufgesogen.

In die Welt der Käfer und Ameisen einzutauchen fand ich besonders faszinierend. Wenn ich mich ganz flach hinlegte und mein Kinn auf die Erde stützte, war ich ungefähr in der Höhe ihres Wirkungsbereichs. Dabei fiel mir auf, wie viel Platz eigentlich so zwischen den Grashalmen vorhanden ist. Und dass es dort am Erdboden eher dunkel ist. Und woher wissen die Käfer, in welche Richtung sie krabbeln sollen? Sie wirken sehr geschäftig und man stellt sich als Mensch so vor, dass sie bestimmt nach Futter suchen. Folgen sie einfach den Gerüchen, die ihnen gefallen? Wenn der Abend nahte bin ich aufgestanden und langsam nach Hause gegangen. Durch diesen kleinen Ausflug ins Gras fühlte ich mich jedes Mal beschenkt. Als hätte ich ein Geheimnis erfahren, von dem sonst keiner weiß.

Welche Kindheitserinnerungen kommen in Dir hoch, wenn Du an Sommer, Gras, Wiese und Erde denkst? Und weißt Du, was bei den Käfern so los ist?

Die Botschaften der Käfer und der Gräser

Die Insekten leben schon so unendlich viel länger auf diesem Planeten als wir. Genauso die Pflanzen, vor allem Gräser. Sie haben wichtige Botschaften für uns. Echte Botschaften. Ungekünstelte Botschaften. Über natürliches Wachstum und Nachhaltigkeit. Über Vernetzungsstrategien, die sehr weit tragen. Über nahrhafte Symbiosen. Über Recycling. Über Leben und Leben lassen. Ja, auch Käfer kämpfen, aber das ist schnell abgehandelt. Danach geht jeder seiner Wege. Und ja, Libellen sind Räuber, die andere Insekten fressen.

Ich rede hier von der Mehrzahl der Interaktionen, Bakterien mit eingerechnet. Denn wir Menschen richten unsere Aufmerksamkeit sehr gerne auf Kämpfe im Tier- und Pflanzenreich. Dabei vergessen wir, dass die überwiegende Mehrzahl der Interaktionen symbiotisch ist. Also der Art, dass beide Seiten etwas davon haben und auf übergeordneter Ebene das ganze Ökosystem.

So funktioniert das Leben. Seit vielen Millionen von Jahren.

Die Botschaften der Natur in den Alltag übertragen

Vielleicht kannst Du davon etwas in Deine Alltagswelt übertragen? Wenn Du das nächste Mal vor einem Problem stehst, könntest Du Dich fragen, wie das in der Natur geregelt ist. Oder ob es hilfreiche Bilder aus der Natur dazu gibt, die Dir weiter helfen. Viele schwören ja auf die Wirkung von Spaziergängen zur Problemlösung. Mir hilft es ganz oft, meine Nase mal kurz aus dem Fenster zu strecken, um mir frische Gedanken abzuholen. Da wir nun mal pure Natur sind, können wir auch ihre Weisheit für uns nutzen und uns von ihr abgucken, welche Strategien sich bewährt haben.

Viele Erfinder haben genau das getan und tun es heute noch. Ich denke an Hubschrauber, an den Lotus-Effekt bei Lackoberflächen und nicht zuletzt an die ganzen Werkzeuge der Bakterien, die von Biotechnologen kopiert werden.

Etwas konkreter: wie kann man die Botschaften der Natur umsetzen?

Da bist Du als kreativer Mensch fein raus! Du setzt Dich an einen Bach und kannst Melodien hören. Oder wenn Du schreibst und keine Einfälle hast, kannst Du wirklich einfach mal dem Gras beim Wachsen zuhören. Das Gras flüstert: „Stetes Streben und Bemühen führen zum Ziel, Zentimeter für Zentimeter wachsen, gemeinsam mit den anderen.“

Vielleicht hast Du ein Projekt, das nicht so recht vorangeht. Wie fühlt es sich an? Hakt es? Oder gibt es eine Blockade? Wenn es hakt, dann könnte man den Vergleich mit dichtem, dornigem Gestrüpp anbringen. Du willst mitten durch, aber Du bleibst stecken. Das andere Beispiel wäre ein Felsblock, der in ein Flussbett fällt und den Fluss staut.

In beiden Fällen gibt es zwei mögliche Strategien, die man beobachten kann. Die erste ist der Weg am Hindernis vorbei. Ein Reh würde also um das Gestrüpp drum rum laufen und der Fluss würde sich einen Weg am Felsblock vorbei bahnen.

Glen Canyon
Fluss windet sich um Fels

Die zweite Möglichkeit wäre, das Hindernis zu zerstückeln. In dem Fall würde das Reh versuchen, das Gestrüpp zu essen oder zumindest einzelne Zweige weg zu reißen und das Wasser des Flusses würde den Felsbrocken entweder erodieren oder sprengen.

Du könntest Dich also fragen, was genau hakt oder blockiert. Dann schaust Du, ob Du es umgehen kannst. Die Umgehungstaktik ist in der Natur übrigens weit verbreitet. Vielleicht möchtest Du das Hindernis nicht umgehen. Dann schaust Du, ob und wie Du das, was sich Dir in den Weg stellt, langsam auflösen kannst. Oder es sogar mit einem Schlag beseitigen kannst.

Die Natur kann Dir sicher keinen detaillierten Aktionsplan liefern. Sehr wohl aber erste Impulse für Lösungsansätze. Dabei geht es um gewisse Prinzipien, die unser Leben bestimmen. Wie ich es bereits in dem Artikel über die Runen kurz angerissen habe. Loslassen oder Halten. Anziehung oder Abstoßung. Bewegung oder Stillstand. Vielleicht ist es auch einfach nur eine Bewegung, die Du auf einem Spaziergang wahrnimmst, die etwas in Dir antickt und Dich zu einem guten Gedanken führt. Die Bewegung eines Käfers zum Beispiel 😉 oder wogendes Gras im leichten Abendwind.

Folge mir auch auf:

6 Gedanken zu „Den Botschaften der Natur lauschen

  1. So liebevoll geschrieben wie alles was ich hier lesen darf.Meinen Dank dafür.

    Ja ,der Frühling ist eine Zeit die,die Seele lächeln läßt und das mit-erleben des Erwachens neuen Lebens ist etwas wundervolles,jedes Jahr aufs neue.
    Ich habe u.a.ein Frühlingsritual was ich mit Freunden lebe oder auch ganz still nur mit mir.Dieses würde ich gerne hier lassen.

    Die Kälte und die grauen Tage weichen der immer wärmer werdenden Sonne, welche an Kraft Tag für Tag zunimmt.Die Tage werden länger,Mutter Natur und ihre Geschöpfe erwachen zu neuem Leben wie in jedem Jahr.

    Bald schon strecken die ersten zarten Blumen ihre Köpfe der Sonne entgegen,die Vögel zwitschern fröhlich und an den Bäumen zeigen sich die ersten Knospen.Wir atmen wieder durch.Wäre das nicht eine Gelegenheit ein ganz persönliches Ritual abzuhalten als Willkommensgruß für den Frühling?

    Aber tun wir das eigentlich nicht sowie jedes Jahr?
    Wir fangen an die Räume zu durch-lüften,beginnen mit dem Frühjahrputz,entfernen die Spuren des Winters.Alles soll blitzen und blinken damit der Frühling Einzug halten kann, auch in unseren Räumen.Wir beginnen Balkon und Terrasse zu bepflanzen,stellen die Gartenmöbel vor die Tür um selber die ersten Sonnenstrahlen zu genießen.Ist das nicht schon der Beginn eines Rituals?Ich denke ja ……….

    Wie wäre es denn wenn wir bei den ersten warmen Sonnenstrahlen gemeinsam mit Freunden den ersten Spaziergang im Frühling machen um anschließend gemeinsam die Gartenmöbel raus zu stellen und dort den ersten Frühlings-Kaffee-Klatsch abzuhalten?Oder um gemeinsam auf den ankommenden Frühling anzustossen?Wie wäre es den Kindern oder für sich selbst bunte Ballons aufzublasen um diese in den Himmel steigen zu lassen als bunten Willkommensgruß an den Frühling,bunt so wie er selber ist.
    Wie wäre es mit der besten Freundin gemeinsam den ersten Wellnesstag im Frühling zu verbringen um Körper und Seele von den Spuren des Winters zu reinigen?Danach gemeinsam essen gehen und den Tag harmonisch ausklingen lassen!?

    Jeder von uns kann sich sein eigenes ,ganz persönlich Ritual zusammenstellen,so wie es für ihn paßt und stimmig ist.Denkt mal darüber nach,vielleicht macht es Freude und ihr behaltet dieses bei, Jahr für Jahr!?

    ( Text by Irene Hesterberg )

    1. Liebe Irene,
      vielen Dank für das Teilen dieser wunderschönen Idee, ein ganz individuelles Ritual mit Freunden oder alleine zu machen, um den Frühling zu begrüßen!!! Du wirst lachen, genau das haben eine Freundin und ich letzten Samstag in ihrem Garten getan. 🙂 🙂 ich wünsche Dir einen wundervollen Frühlingsanfang und ganz viel Spaß mit Deinen Lieben!

  2. Liebe Myriam,

    du hast, ich nehme mal an ganz unbewusst, im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung geschrieben. 😉
    Wir sind ein Teil der Natur, sollen uns auch so verstehen und Lösungswege in der Natur suchen und finden. Danke für den tollen Artikel! 🙂

    1. Vielen Dank! Genauso ist es gedacht! Ich freue mich so sehr, dass die Menschen anfangen ihr Bewusstsein zu erweitern, ihr Herz zu öffnen, sich wieder mehr in die Natur einbetten wollen. Und auch ganz aktiv kämpfen zum Schutz der Natur. Damit wir, unsere Kinder und Enkel weiterhin dem Gras beim Wachsen zuhören können 😉

    1. Liebe Daniela, danke Dir für Deinen unterstützenden und schönen Kommentar 🙂 es geht bestimmt vielen, vielen Menschen so und manche haben es vergessen, wie heilsam die Natur ist. Wir dürfen sie dran erinnern 🙂

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