Den inneren Anteilen zuhören

Den inneren Anteilen zuhören

Wie Du Dein Leben bereichern kannst indem Du Deinen inneren Anteilen lauschst

Für mich bedeutet Mystik, die Verbindung mit der eigenen Seele in vollem Maße zu spüren und zu leben. Wenn wir verbunden sind, dann fließt uns Kraft zu und alles scheint leichter zu gehen. Aus dieser Seelenverbindung heraus schreibe ich meine Lieder. Und so möchte ich heute über eine praktische Anwendung sprechen, durch die man in Verbindung gehen kann. Über das Zuhören. Wir können anderen Menschen zuhören. Das ist ein Kapitel für sich. Wir können der Natur lauschen. Darum geht es heute nicht. Es geht darum, Dir selber zuzuhören und so innere Balance zu verwirklichen. Indem Du Deinen inneren Anteilen zuhörst.

Wer oder was sind die inneren Anteile?

Keine Angst, es geht hier nicht um das Thema Persönlichkeitsspaltung. Es geht darum, den Ausdruck Deiner Seele und Deine Facetten in bildhafter Sprache wahrzunehmen. Wir sind nicht immer gleich. Manchmal benehmen wir uns mit zwei unterschiedlichen Freunden jeweils etwas anders. Ist Dir das schon aufgefallen? Mal sind wir mütterlich oder väterlich, mal albern wie ein kleines Kind, mal rebellisch und mal lieblich. Das alles sind wir.

Und all diese Eigenschaften kann man auch als Archetypen wahrnehmen. Als einen Krieger, eine Eremitin, eine Mutter, einen Magier, ein Kind, einen Teenager…. Du hast sicher zuerst an das innere Kind gedacht. Dieses Thema wird schon lange viel behandelt. Zu Recht. Wir alle haben größere oder kleinere Schrammen abbekommen in unserer Kindheit. Oft geht es dabei um einen kindlichen Anteil, der eine traumatische Erfahrung gemacht hat und in seiner Entwicklung stehen geblieben ist.

Sich um das innere Kind zu kümmern ist ein wichtiger Schritt, um sich weiter zu entwickeln, um zu klären, wo bestimmte Bedürfnisse her kommen und um damit besser umgehen zu können. Bei mir tauchen jedoch nicht nur innere Kinder auf. Bei mir tauchen schlecht gelaunte alte Herren und Damen auf, Krieger, junge Frauen, junge Männer, Magier und Königinnen. Als innere Bilder. Vielmehr filmhafte Bilder, die mit Emotionen gepaart auftreten. Alles vor dem inneren Auge.

 

Was hat es mit den inneren Anteilen auf sich?

Meinen inneren Anteilen begegne ich besonders dann, wenn etwas nicht rund läuft.
Wenn Sand im Getriebe ist.

Meistens sind es Gefühle, die ich nicht sofort einordnen kann, die mich auf einen inneren Anteil aufmerksam machen. Wenn ich also etwas fühle und keinen direkten Bezug zu meinem Alltag herstellen kann oder wenn meine Gefühlsreaktion auf ein alltägliches Erleben übertrieben ist, dann versuche ich heraus zu finden, welcher innere Anteil da grade beteiligt ist.

Manchmal sind es auch meine Gedanken, die mir einen Hinweis geben, dass die Harmonie im Eimer ist. Wenn die Stimme im Kopf etwas ganz oft wiederholt und ich mich wundere, wo das wohl her kommt. Dann versuche ich hin zu hören und ein Gefühl dafür zu bekommen, ob es ein innerer Anteil ist, der fest steckt und mir etwas mitteilen möchte.

Oder aber ich schiebe die Gefühle oder die Stimme weg und habe keine Lust zuzuhören. Dann wurschtele ich mich mit dem Sand im Getriebe irgendwie durch den Alltag und verdränge. Der Anteil wird sich jedoch garantiert wieder melden. Und je nachdem wie stark sein Bedürfnis ist, gehört zu werden meldet sich der innere Anteil auch mal gerne heftig. Das kann sich in Missgeschicken äußern.

 

Innere Anteile in Träumen

Besonders in Träumen ist es immer wieder spannend, wie die inneren Anteile als einzelne Persönlichkeiten ganz klar erscheinen und mit uns interagieren. So jedenfalls habe ich es in einem Buch über Traumdeutung einmal nachgelesen, dass die Personen im Traum ganz oft einen Teil von uns selber repräsentieren. Das hatte ich jedoch wieder vergessen. Bis ich vor etwa zwei Wochen einen Traum hatte, der mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hat, diesen Blogartikel zu schreiben. Und so möchte ich ihn Dir erzählen:

In dem Traum war ich unterwegs zu einer historischen Stätte. Eine Bekannte aus meiner Schulzeit wartete dort auf mich. Auf dem Weg dorthin nahm ich die falsche Abbiegung und landete am Ende des Weges bei einer ganz ähnlichen historischen Stätte jüngeren Datums, die als Freiluftmuseum umgebaut war. Es war eine Art Friedhof, auf dem sehr große, schiefergraue Steinplatten standen, immer zwei dicht an dicht.

Es erinnerte mich an die Dolmengräber in der Bretagne. Vor Ort waren viele Touristen. Manche stellten sich zwischen die Platten, verweilten dort etwas und gingen dann wieder weiter. Ich las ein paar Informationstafeln, aber eigentlich wusste ich schon, dass die Leute das taten, um schon mal ein bisschen in den Tod rein zu fühlen. Klingt erst mal etwas krass, es war aber nicht schlimm.

An dieser Stätte traf ich eine alte Schulfreundin. An dem anderen Ort, wo ich eigentlich hin wollte, wartete immer noch die Bekannte auf mich. Ich war schon viel zu spät dran und geriet in Zeitnot und Stress, da ich den ganzen Weg wieder zurück fahren musste bis zu der Abzweigung, an der ich falsch abgebogen war.

Also ging ich begleitet von meiner Schulfreundin schnell raus aus dem Freilichtmuseum. Da sahen wir, dass ein kleiner Wohnwagen die Treppe am Ausgang versperrte, die wir hinunter mussten. Er stand schief und kreuz und quer und es war kein Durchkommen. Es gab nur unten rechts eine kleine Lücke und ich überlegte schon, mich dort durch zu quetschen. Da kamen aber auch schon die Museumswärter und andere Leute, um den Wohnwagen weg zu ziehen. In dem Wohnwagen war eine junge Frau. Sie kam ganz aufgelöst und in Panik raus, hatte nur einen Bademantel an und redete laut auf uns ein. Das könnten wir doch nicht machen, sie einfach beiseite schieben, sie hätte grade erst geduscht, das wäre total gemein von uns… sie sah nicht ein, dass sie alle anderen massiv störte, dort wo sie grade stand. Dann war der Traum auch schon zu Ende.

Merkwürdiger Traum nicht wahr? Noch nach dem Aufwachen hatte ich beide Gefühle in mir. Einmal die Wut darüber, dass jemand so rücksichtslos anderen den Weg versperrt und andererseits das Entsetzen darüber einfach eiskalt „weggeschoben“ zu werden.

 

Die Botschaft des Traumes hat mit einem inneren Anteil zu tun

Am nächsten Tag kam mir der Gedanke, dass es um meine inneren Anteile geht und dass die junge Frau mit dem Wohnwagen ja genau ein solcher Anteil war, der Sand ins Getriebe bringt. Was wenn sie eine wichtige Botschaft hätte? Was wenn sie sich extra dorthin gestellt hätte? Und ich ging noch mal in die Traumbilder rein und versuchte mir vorzustellen, wie die Geschichte einen harmonischen Ausgang nähme:

Alle Leute versammelten sich um den Wohnwagen. Keiner wollte ihn „wegschieben“. Alle setzten sich ruhig hin und hörten zu. Sie hörten der jungen Frau zu, die von ihren Reisen und Erlebnissen erzählte. Inzwischen war es Nacht, die Sterne sind aufgegangen und alle waren sehr still und betroffen von dem, was die junge Frau erzählte. Sie hatte viele schlimme Sachen erlebt, hatte fliehen müssen, kämpfen müssen, hatte aber auch Geschenke bekommen und Hilfe empfangen auf ihrer Reise. Zwischendurch weinte sie und es fühlte sich gut an, dass sie alles erzählen konnte und ihr so viele Menschen einfach zuhörten, ohne etwas tun zu müssen. Danach konnte sie ihren Wohnwagen nehmen und weiter fahren und die Zuhörer hatten ihre Weltsicht enorm erweitert. Die junge Frau wollte gehört werden. Sie wollte die Menschen aber auch darauf hinweisen, dass diese viel zu oberflächlich waren.

Manchmal sind wir sehr mechanisch. Wir gehen zu einem Ort, um unsere Spiritualität zu fördern. Wenn wir das „erledigt“ haben, müssen wir schnell wieder weiter. Da können wir es nicht ertragen, dass es vielleicht ein Hindernis gibt. Und wir können uns auch nicht vorstellen, dass ein Mensch, der uns scheinbar behindert oder uns in „lästige“ Situationen bringt, vielleicht genau dann wichtige Lektionen und Geschichten für uns bereit hält.

Das sind die inneren Anteile. Sie tragen oft schwere Erlebnisse, so wie die junge Frau aus meinem Traum. Und oft haben wir sie weg gesperrt oder beiseite geschoben. Damit wir nicht fühlen müssen, was diese Anteile mit sich tragen. Meiner Erfahrung und der vieler anderer Menschen nach ist jedoch der einzige Weg zu mehr Ganzheit das Durchfühlen aller Gefühle. Dadurch geschieht ein Loslassen und oft eine tiefe Einsicht. Die Integration der inneren Anteile kann uns auch Geschenke bringen, indem wir Talente oder Wissen entfalten, die uns vorher nicht zugänglich waren.

 

Praktischer Teil: Wie kommst Du in Kontakt mit Deinen inneren Anteilen?

Sobald Du merkst, dass etwas nicht rund läuft oder dass Du ein Gefühl hast, bei dem Du nicht sofort orten kannst, wo es her kommt, kannst Du den Kontakt üben mit dem inneren Anteil, der Dir grade etwas sagen will. Du kannst auch durch Gedankenschleifen darauf aufmerksam werden.

Am einfachsten ist es, Du setzt oder legst Dich ruhig hin und atmest mit dem Gefühl, das Du hast. Du kannst versuchen, ob es sich im Körper spüren lässt. Du kannst genauer rein spüren, wo es im Körper sitzt und wie es sich anfühlt. Fest? Klebrig? Dicht? Spitz? Du kannst nun in Gedanken darum bitten, dass der innere Anteil sich zeigt, der mit dem Gefühl verbunden ist. Vielleicht bekommst Du eine Idee, eine Ahnung von dem Anteil. Vielleicht bekommst Du aber auch ein klares Bild. Versuche dem Anteil zu signalisieren, dass Du für ihn/sie da bist. Du kannst Dir vorstellen, wie Du ihn/sie in einen schönen Raum führst, wie Du die Arme ausbreitest oder Wasser bringst. Gib dem inneren Anteil das Gefühl gesehen zu werden, gehört zu werden und angenommen zu werden. Mir geht es meistens so, dass ich eine sofortige Veränderung in mir wahrnehme, sobald ich in Kontakt mit dem inneren Anteil bin. Dass ich mich dann leichter fühle, klarer und das irritierende Gefühl entweder kaum noch da oder ganz verschwunden ist.

Wenn Du eher ein verstandesorientierter Mensch bist und durch Deine Gedanken gemerkt hast, dass ein innerer Anteil anklopft, dann tu dasselbe wie oben beschrieben. Lege oder setze Dich ruhig hin. Atme mit Deinen Gedanken. Vielleicht erzeugen die Gedanken ja ein Gefühl von Angst, Unruhe, Unwohlsein. Dann kannst Du mit diesem Gefühl atmen. Du kannst Deine Gedanken bitten, sich zu zeigen in der Erscheinung des inneren Anteils. Das Gefühl, welches die unruhigen Gedanken erzeugt, kann Hinweise über den inneren Anteil geben. Vielleicht ein kleines Kind, das Angst hat? Und vielleicht kommt Dir dann die Erkenntnis, wo die Sätze herkommen. Vielleicht von einem Familienmitglied oder einem Lehrer? Gib dem Anteil das Gefühl, gehört zu werden, wahrgenommen und angenommen zu sein. Vielleicht ist der innere Anteil dann erst mal erstaunt. Und Vielleicht zeigt er Dir etwas.

 

Wenn Du nicht sofort in Kontakt kommst mit den inneren Anteilen, dann mach Dir keinen Druck mit dem Thema. Es ist nur ein Ansatz von vielen, Dich besser kennen zu lernen, in Kontakt mit Deiner Seele zu kommen und Ganzheit zu erfahren. Es gibt noch viele andere Wege und Möglichkeiten.

Wenn Du allerdings spürst, dass die Anteile schon anklopfen und Du sie aber noch nicht voll wahrnehmen kannst, dann habe viel Geduld mit Dir. Mach erst mal einfache Atemübungen. Und probiere es immer wieder, den Kontakt herzustellen zu den Anteilen. Vielleicht passiert es genau dann, wenn Du es nicht erwartest.

 

Den inneren Anteilen zuhören darf leicht sein und Spaß machen

Letztendlich möchte ich Dir mit auf den Weg geben, dass Du natürlich auch in Kontakt gehen darfst mit Deinen Anteilen wenn Du KEINE Probleme hast 🙂 es ist ein spielerischer Ansatz. Also los, spiele, tanze und singe was das Zeug hält.

Das werde ich mir auch mehr auf die Fahnen schreiben. Denn ich habe meine inneren Anteile kennen gelernt, indem ich hingehört habe, wenn etwas in Disharmonie geraten ist. Und das sind immer noch die Momente, in denen ich mit ihnen in Kontakt gehe. Bei meinem Anteil der weisen alten Frau, die sehr abgeschieden lebt, hole ich mir jedoch manchmal einen Rat. Wenn sie gute Laune hat, bekomme ich einen Kräutertee 😉

Wir können die Anteile auch für bestimmte Tätigkeiten dazuholen. Wenn Du in eine wichtige Besprechung gehst, könntest Du einen Anteil mitnehmen, der für Dich hilfreich ist.

Vielleicht fällt Dir zu dem Thema noch etwas Lustiges oder Wichtiges ein, das Du mitteilen möchtest. Ich freue mich über Deinen Kommentar!

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